Das Aufzuchtbecken oder: Ein neues Projekt in Planung

 

 

Dieses kleine, nur ein paar Liter fassende Aquarium diente bislang meinen Aufzuchtversuchen bei Amanogarnelen. Dies soll auch primär so bleiben. Allerdings wird das Becken im neuen Jahr einen festen Platz bekommen und als erster Schritt in Richtung Meerwasseraquaristik dienen. Denn da Amanogarnelen zum Aufwachsen "versalzenes" Wasser benötigen, bietet sich diese Lösung als idealer Einstieg an. Nun soll hier nicht ein perfektes kleines Nanoriff aus dem Boden gestampft werden; neben der zwingend notwendigen Technik (Beleuchtung, Strömung) sollen lediglich Korallensand und etwas Lebendgestein Einzug halten. Ziel soll es sein, zum einen ein eingefahrenes Becken für die Amanolarven bereitzustellen, zum anderen soll es auch die Möglichkeit eröffnen, zu beobachten, was sich allein durch das Einbringen von Lebendgestein in diesem Minibiotop entwickeln kann.

 

 

 

  05. 01. 2005:
Das Becken hat eine Heizung und einen kleinen Innenfilter bekommen. Dann habe ich acht Liter destilliertes Wasser eingefüllt und anschließend aufgesalzen.

 

 
  06. 01. 2005:
Habe einen weiteren Liter destilliertes Wasser hinzugegeben, da ich beim Messen der Dichte feststellen musste, dass der Wasserstand für das Ärometer zu niedrig ist. Dann wurde nach und nach das Wasser auf eine Dichte von 1,023 g/l gebracht.

 

 
  07. 01. 2005:
Eine Gitterplatte als Schutz für die Bodenscheibe und zwei Kilo Korallensand wurden eingebracht. Die Dichte ist stabil geblieben. Allerdings hat sich das Wasser bereits auf 26°C aufgeheizt, so dass ich überlege, den Heizstab doch wieder auszubauen, da ja die Lampen auch noch Wärme abgeben werden.

 

 
  20. 01. 2005
Heute ist ein 1,9 kg schwerer Brocken Lebendgestein eingezogen. Eigentlich sollten es mehrere kleine werden. Allerdings gefiel mir der große Stein letztendlich am besten, da er eine interessante Form besaß und bereits ein paar braune Scheibenanemonen auf ihm saßen. Außerdem bekam ich noch eine Handvoll Caulerpa prolifera und ein paar Liter eingefahrenes Wasser mit auf den Weg.
Zu Hause angekommen habe ich dann einen Teil des Wassers aus dem Becken abgelassen, um eine Überschwemmung auf meinem Schreibtisch zu vermeiden, und den Stein in seine neue Heimat verfrachtet. Dann habe ich die Caulerpa eingesetzt und das Aquarium mit dem eingefahrenen Wasser wieder aufgefüllt. Anschließend habe ich die Beleuchtung (zwei weiße 9W Energiesparlampen) in Betrieb genommen.
Außer den Scheibenanemonen zeigten sich am Abend bereits einige weitere Bewohner:
Als erstes fiel mir beim Umsetzen des Gesteins eine unbekannte Schnecke in die Hände. Da ich sie zunächst nicht identifizieren konnte, blieb sie zunächst im Transporteimer. Im Becken selbst entdeckte ich zunächst einige Röhrenwürmer und eine kleine Anemone, außerdem einige Tiere, die ich noch nicht näher bestimmen konnte. Am späten Abend kroch außerdem ein Borstenwurm aus dem Gestein.

 

 
  24. 01. 2005
Mittlerweile sind zwei weitere Borstenwürmer aufgetaucht. Habe kurzfristig überlegt, ob ich sie entfernen soll, mich dann aber doch dazu entschlossen, ihnen eine Chance zu geben und sie erstmal zu beobachten.  Einer der drei hatte heute Abend eine Begegnung der dritten Art mit einer der braunen Scheibenanemonen, schien aber nicht sonderlich beeindruckt und änderte kurzfristig seinen Kurs. Die Anemone zog sich beleidigt zusammen, öffnete sich aber sehr schnell wieder, nachdem der aufdringliche Wurm weiter gezogen war.
Von den übrigen Lebewesen konnten derzeit zwei Schwämme als solche erkannt werden. Die Schnecke gehört offensichtlich zur Gattung der Turridae, carnivore Schnecken, die mit harpunenartigen Gebilden und Gift auf Jagd gehen und Würmer sowie andere weichhäutige Wirbellose frisst. Probeweise habe ich sie nun auch ins Aquarium gesetzt - wo sie nach kurzer Zeit im Sand verschwand und bislang nicht wieder auftauchte.

Die ersten Wasserwerte wurden heute außerdem gemessen:

KH = 11° dH
pH = 8,0
Nitrit = 0,05 mg/l
Nitrat = 20 mg/l
Ammonium = 0,25
Dichte = 1,024 g/l

 

 
  25. 01. 2005
Eine weitere Schnecke ist aus einem Loch im Stein aufgetaucht, eine Algen fressende Stomatella sp. Außerdem habe ich ein weiteres sessiles Lebewesen entdeckt, das auf seine Bestimmung wartet.

 
  26. 01. 2005
Eine blaue 9W Energiesparlampe wurde zusätzlich über dem Aquarium installiert. Und so sieht es aus:

 

 
  28. 01. 2005
Die Kieselalgen sind da. Der weiße Korallensand ist stellenweise von einem braunen Schleier bedeckt.

 

 
  03. 02. 2005
Heute sind zwei weinrote Einsiedler (Paguristes cadenati) eingezogen.

 

 

 

Keine fünf Minuten im Becken, haben sie bereits begonnen, die Kieselalgen auf dem Korallensand abzuweiden. Allerdings zeigen sie auch immer wieder ihre hervorragenden Bergsteigerqualitäten und suchen auch den Stein von oben bis unten ab. Sehr gefühlvoll verhalten sie sich dabei allerdings nicht gerade - sehr zum Leidwesen der Röhrenwürmer, wenn die Krebse mal wieder über ihre Röhre wandern...

 

 
  06. 02. 2005
Der erste Einsiedler hat sich gehäutet. Also habe ich erstmal ein paar Schneckenhäuser ins Becken gelegt, um den beiden Krebsen neue Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

 

 
  24. 02. 2005
Neben den beiden Einsiedlern bevölkern nun auch zwei Turboschnecken das Nano. Die ersten Fadenalgen sind ebenfalls zu sehen. Aber mit denen machen die Einsiedler und Turbos hoffentlich kurzen Prozess.

 

 
  08. 03. 2005
Heute ist ein weiterer Röhrenwurm im Nano eingezogen. Er bleibt zwar noch beleidigt in der Röhre, aber ich denke, dass er sich bald überwinden wird und sich der Öffentlichkeit zeigt. Außerdem ist noch ein Schneckenhaus mit drei Krustenanemonen unerwartet hinzugekommen, welches ich von einem netten Menschen geschenkt bekam. Vorerst habe ich sie in einer Spalte im Stein platziert. Die Fadenalgen werden sie dort - so hoffe ich - nicht so sehr belästigen.

 

 
  09. 03. 2005
Die Einsiedler waren mit dem Platz der Krusten offenbar nicht einverstanden und haben sie über Nacht erstmal vom Stein heruntergeworfen (oder aber sie haben das Schneckengehäuse als mögliche Behausung ausgetestet). Also habe ich das Schneckenhaus wieder vom Bodengrund genommen und an anderer Stelle auf dem Gestein postiert. Vielleicht können sich ja auch die Krebse mit dem neuen Platz arrangieren.

 

 
  10. 03. 2005
Die Einsiedler haben die Krusten wohl auch an ihrem neuen Ort nicht akzeptiert und haben sie einmal mehr verschoben - diesmal leider nicht so günstig wie beim letzten Mal. Denn das Haus lag nun in einer Spalte im Gestein. Sämtliche Versuche, die Krusten dort mit Hilfe einer Pinzette heil herauszubekommen, sind kläglich gescheitert. Ergo: Stein aus dem Nano gefischt, einmal kurz geschüttelt, und die Krusten waren wieder frei. Da die Krusten also nicht ungefährdet auf dem Gestein leben dürfen, habe ich sie mitsamt dem Schneckenhaus auf dem Korallensand deponiert.

 

 

  15. 03. 2005
Der Röhrenwurm hat sich mittlerweile gut an sein neues Heim gewöhnt und zeigt sich immer öfter. Die Umstellung hat er wohl gut überstanden und sogar seine Krone behalten.
Die Krustenanemonen dürfen nun endlich auf dem Bodengrund liegen bleiben. Der größte der Polypen scheint jedoch noch nicht sehr glücklich über die Situation zu sein, denn seit der Umsiedlung hat er sich nicht mehr geöffnet. Ich hoffe, er erholt sich wieder.

 

 
  23. 03. 2005
Nun spannt der Röhrenwurm fast den ganzen Tag über seine Krone auf und ist auf Nahrungssuche. Eine gute Gelegenheit, endlich ein Foto von ihm zu machen. Sieht auch so aus, als hätte er an seiner Wohnröhre etwas gebaut...

 

 
  24.03.2005
Nach dem heutigen Wasserwechsel öffnet sich nun auch der große Polyp der Krustenanemonen endlich wieder. Es scheint also doch alles in Ordnung zu sein. Außerdem habe ich heute einen weiteren winzigen Polypen am Schneckenhaus entdeckt. Habe ich den bislang nur übersehen, oder ist der tatsächlich neu?

 

 
  31.04.2005
Beim hiesigen Händler habe ich einen kleinen Ableger einer pumpenden Xenia ergattern können. Nach ersten Befestigungsschwierigkeiten habe ich sie einfach samt Stein auf dem Korallensand abgestellt. Unglücklich über diesen neuen Platz scheint sie jedoch nicht zu sein.

 

 
  06.04.2005
Neue Korallen ziehen ein. Per Post kamen heute einige Ableger an, die das Nano fortan bevölkern sollten. Eine Kalkachsenkoralle (Briareum sp.), eine Xenia sp., ein Keniabäumchen, eine Fingerlederkoralle und ein Stein mit gelben Krustenanemonen sollten einziehen. Da es draußen immer noch hundekalt war und die Temperatur des Transportwassers dementsprechend abgekühlt war, habe ich die Korallen ganz langsam mittels Tröpfchenmethode an die neuen Werte gewöhnt und ihnen Zeit zum Akklimatisieren gegeben.

 


Neben den gekauften Ablegern gab es aber auch einige blinde Passagiere: Gänsefußseesternchen (Asterina sp), Gammarus und ein Schlangenstern: Ophiartrum elegans, ein australischer Zeitgenosse, wie sich herausstellen sollte, der hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv ist und von seinem geliebten Stein keinen Zentimeter abrückt. Leider sieht man von ihm nie mehr als ein paar Arme...

 

 

 
  07.04.2005
Für die Fingerlederkoralle kam offenbar jede Hilfe zu spät. Nachdem sie sich gestern schon weigerte, ihre Polypen zu öffnen, hat sie nun begonnen, sich zu zerlegen. Deshalb habe ich sie auch dem Nano wieder entfernt.
Leider hat sich auch das Keniabäumchen immer noch nicht geregt. Aber ich hoffe weiter. Alle anderen Korallen und die Krusten stehen mittlerweile sehr gut.

 

 
  08.04.2005
Leider hat nun auch das Keniabäumchen erste Zerfallserscheinungen gezeigt. Ich bin also um die Erfahrung schlauer geworden, dass der Versand von Korallen bei tiefen Temperaturen wohl nicht so gut ist und ich lieber warte, bis es wärmer wird.

 

 
  20.04.2005
Das kleine Riff sollte erneut Zuwachs bekommen. Diesmal endete das ganze fast in einem Super-GAU: eine Scheibenanemone hat sich im Becken komplett zerlegt. Nach dem ersten Panikanfall habe ich versucht, die Reste der Scheibe aus dem Becken zu bekommen, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Dennoch haben alle Xeniastämmchen den Tod der Scheibe nicht überlebt.

 

 
  24.04.2005
Bei einem Bummel durch die hiesigen Zooläden mit Meerwasser sind mir tatsächlich noch einige Korallen einfach so in meinen Rucksack gehüpft: Drei Keniabäumchen, eine neue Xenia, eine Röhrenkoralle und zwei weitere Scheibenanemonen wollten unbedingt mitkommen.

 

 
  30.04.2005
Die kleine Xenia macht mir Sorgen. Irgendwie wird sie immer kleiner und bekommt weiße Stellen. Vielleicht kann eine Zugabe von Jod das Tier retten?

 

 
  07.05.2005
Die Xenia sieht dank Lugol'scher Lösung wieder wesentlich besser aus und legt auch wieder zu. Allerdings gefiel ihr wohl ihr angestammter Platz nicht mehr - denn mittlerweile sitzt sie rund zwei Zentimeter links davon...

 

 
  21.05.2005
Erste Kalkrotalgen sind zu sehen. Der Größe nach zu urteilen existierten sie wohl schon etwas länger, haben aber wohl bis heute keine Beachtung gefunden. Natürlich ist die Freude groß über die rosaroten Flecken an den Scheiben und dem Filterauslauf.

 

 
  09.06.2005
Nachdem ich lange gesucht habe, habe ich sie nun endlich für mein Riff gefunden: eine Ohrenlederkoralle (Sinularia dura). Heute ist sie endlich eingezogen und hat sich gleich erstmal vom größten Reisedreck befreit. Außerdem sind noch eine Sinularia brassica und die ersten beiden Gorgonien (Eunicea spp.) in das Nano gewandert. Einen passenden Platz für die beiden karibischen Hornkorallen zu finden, gestaltete sich zwar gar nicht so einfach - aber am Ende standen sie denn doch geöffnet da.

Damit wird das Nano bis auf Weiteres als voll besetzt betrachtet. Weitere Besatzpläne gibt es eigentlich nicht...

 

 
  04.07.2005
Kaum zu glauben, aber wahr: Das Nano hat Geburtstag. Seit einem halben Jahr steht das winzige Riff nun in meiner Wohnung und läuft nun nach den anfänglichen Besatzproblemen sehr gut. Ausfälle hat es bis dato keine weiteren gegeben. Bleibt zu hoffen, dass es weiterhin so gut funktioniert.

 

 
  10.07.2005
Ein Forentreffen im größten Zoogeschäft der Welt - und schon sind alle guten Vorsätze dahin. Ein paar Scheibenanemonen hatten es mir mal wieder angetan - und so bin ich mit einer roten Scheibe und einem kleinen lebenden Stein voller grün-braun gestreifter Scheibenanemonen im Gepäck nach Hause gekommen. Ein pinkfarbener Röhrenwurm war ebenfalls mit dabei. Gesehen hat ihn bis heute aber niemand mehr. Ich hoffe, er hat irgendwo im Gestein eine neue Bleibe gefunden.

 
  15.07.2005
Nachdem ich während der letzten Hitzeperioden verzweifelt mit Kühlakkus versucht habe, die Temperatur im Becken in erträglichem Rahmen zu halten, sorgt seit heute ein PC-Lüfter für Kühlung. Wärmesorgen adé...

 
  18.07.2005
Im Meerwasserladen hier hat mich heute eine winzige Pilzlederkoralle angebettelt - also habe ich sie mitgenommen. Nun hat sie einen Ehrenplatz direkt vor der Frontscheibe erhalten.

 

 
  20.07.2005
Die Tage des 12l-Nanoriffs sind gezählt. Der gesamte Besatz samt Korallensand und Wasser ist heute in ein 45l-Becken umgezogen. Wie es mit dem Nanoriff weitergeht, ist hier zu lesen...
 
     

 

 

Am Ende dieses Tagebuchs muss ich wohl eingestehen, dass der Titel "Aufzuchtbecken" wohl nicht mehr ganz der Wahrheit entspricht, da sich das Aquarium innerhalb dieses halben Jahres zu einem gut besetzten und intakten Nanoriff entwickelt hat. Dennoch muss ich zugeben, dass ich diese Weiterentwicklung bislang nicht einen Moment bereut habe.

Amanolarven in diesem Becken aufzuziehen, habe ich übrigens anfänglich tatsächlich mehrfach versucht. Allerdings waren die einzigen, die von diesen Versuchen profitiert haben, letztlich meine Scheiben- und Krustenanemonen. Denn die haben sich über das zusätzliche Futter sehr gefreut. Deshalb habe ich die Amanozucht vorläufig auf Eis gelegt - bis sich ein passender Platz für ein weiteres Mini-Aquarium findet.